Ich habe gerade als fortschrittsgesinnter Europäer meine nächste Sprache zu erlernen begonnen, als mich in unserem kleinen Städtchen von geradeeinmal 3500 Bürgern die nächste Überraschung erwartet, denn als Lehrer stellt sich da jemand aus Chile vor. Ich finde es klasse, wenn aus wirklich unerwarteten Ecken der Welt immer wieder interessante Bürger auftachen wie z.B. der Schweizer, der ein Literaturkaffee von einem deutschen Architekten übernahm. Die Physiotherapeutin kommt aus Deutschland, eine Iranerin versteht es wunderschöne persische Gedichte zu rezitieren und der Italiener - mit einem guten Service und bezahlbaren Preisen - wird von einem Türken betrieben. Ein Australier hat von der Tischlerei auf Elektronikfertigung umgesattelt und die Fastfoodküche am Markt wird von einer Thailändering betrieben. Dazu sind hier noch jede Menge Pakistani, Schweden, Afikaner, Serben und Niederländer anzutreffen. Ich habe da bestimmt noch so einige Nationalitäten vergessen, wie den Organisten, der aus England kommt und nach 20 Jahren hier, sich immer noch weigert die lokale Sprache zu sprechen, aber alles versteht. Natürlich gibt es hier auch noch interessante Einheimische, wie z.B. den, der sich während einer Reisedoku, einen Revolver zückte und durch das Bein mit Absicht schoss.So stand es in der Polizeimeldung. Es stellte sich dann später heraus, dass er nur eine Prothese trug. Oder wenn sich im Kaffe plötzlich 3 Leute zusammenfinden und Balladen singen. Ich finde die Mischung interessant oder einfach spannend. Man sollte die Einwandung in Europa wieder erleichtern, statt sich zu verschanzen und zu meinen, die Anderen sind immer die Bösen. Es kommt so viel neues dabei herum. Speziell die Literaturabende im Kaffee mit Musik und Lyriklesungen aus aller Welt sind es wirklich wert. Wie schon in einer Doku auf Arte erwähnt, sind die Iraner wirkliche Liebhaber von Lyrik und deren Gedichte lohnen sich in jedem Fall. Das Fazit lautet: Einwanderung lohnt und bringt neue Impulse. Das gilt natürlich nicht für Deutschland, muss man dort doch die Kumpanei zwischen Rechtsradikalen und Politik fürchten, wenn es einmal wieder heisst “[..] die Berliner Polizei teilte am Abend mit, dass die Jugendlichen [..] den US-Bürger “aufgrund seiner Hautfarbe” angegriffen hätten. Dennoch gebe es keine Hinweise auf eine fremdenfeindliche Tat, hieß es in der Polizeimeldung.”

